GIS: Der ORF verbreitet Faktenunsicherheit

Der ORF reicht eine Erhöhung der Rundfunkgebühren um 1,25 Euro (7,7 Prozent) ab 1. Mai 2017 beim ORF-Stiftungsrat ein. Argumentiert wird die Erhöhung mit einer längst fälligen Inflationsanpassung.
In einem Brief an die Mitarbeiter des ORF formuliert Alexander Wrabetz:
Die Inflation im Zeitraum seit dem letzten Gebührenantrag (2011) bis zum Ende des Vorschauzeitraums (2021) beträgt mehr als 18 Prozent. Die geplante Anpassung liegt wie immer in den letzten 20 Jahren deutlich unterhalb der Inflation.
Gemeint ist mit Anpassung die Erhöhung der individuellen Gebühr. Der ORF suggeriert damit, wie auch in seinem Video, das euphemistisch Faktencheck genannt wird, dass das größte Medienhaus durch die Inflation real sinkende Einnahmen durch Programmentgelte hinzunehmen habe.
Das ist nicht wahr.
Die ORF-Einnahmen aus Rundfunkgebühr steigen seit Jahren.

Die Einnahmen des ORF aus Programmentgelten sind in den letzten zehn Jahren um 30,2% von 444,2 Mio. Euro auf 578,4 Mio. Euro gestiegen. Die Inflation im selben Zeitrum betrug 18,8%.
 
programmentgelt2006-2015

Mit der Erhöhung der Gebühren soll ein tasächlich ein Budgetloch in der Größenordnerung von ca. 42 Millionen Euro geflickt werden. Damit hat der ORF den Faktencheck nicht bestanden. Der ORF hat durch die Inflation nämlich keine Einnahmenverluste aus Programmentgelten. Das Gegenteil ist der Fall: Durch Bevölkerungszuwachs und weniger Schwarzseher hat der ORF in den letzten zehn Jahren sogar steigende Einnahmen aus der Rundfunkgebühr, die die Inflation bei Weitem wettmachen.
Der ORF hat tatsächlich ein Problem auf dem Werbemarkt Umsätze zu lukrieren, wie diese Grafik zeigt:
 
orf_gesamteinnahmen
 
Einen Rückgang bei den Werbeeinnahmen, durch eine Kompensationszahlung der Steuerzahler bzw. Gebührenzahler wettzumachen, ist nicht einzusehen. Dass der ORF hier die Bevölkerung mit eigener Faktenunsicherheit bewusst oder unbewusst täuscht, ist bedauerlich.

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