Was der Islam von Ungläubigen hält

Disclaimer: Wenn ich “Islam” schreibe, dann meine ich die Religion und damit die gelebte Ausprägung mancher Anhänger, aber keineswegs alle Muslime.
Also was hält der Islam von Ungläubigen? Kurz gesagt: nicht viel. In der Regel wünscht er ihnen den Tod – und damit ist nicht dessen natürlicher Eintritt ohne Einwirkung von außen gemeint.

“Und wenn nun die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Heiden, wo (immer) ihr sie findet, greift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf!” (Schwertvers)

Dass das durchaus wörtlich gemeint ist, erkläre ich in Kürze. Zwei Ereignisse der letzten Woche führen das ganze Spektrum von “zivilisierter”, der europäischen Rechtsstaatlichkeit angepassten Abneigung bis zu barbarischer Unmenschlichkeit deutlich vor Augen.
Fall 1)
In Wien werden Kirchen von einem gottesfürchtigen Fanatiker vandalisiert. Ein Akt, der selbstverständlich zu verurteilen ist, wenn man das Recht auf Privateigentum als solches anerkennt. Ob die Gegenstände den Betroffenen wichtig (“heilig”) waren, sollte rein rechtlich sekundär sein – das ist nebstbei bemerkt in Österreich nicht der Fall (siehe § 188 StGB) – aber es verständlich, dass die Betroffenheit hier noch größer ist.
Jedenfalls sieht sich die IGGIÖ zu einer Bewertung dieser Vorgänge veranlasst. Fuat Sanat (Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich) schreibt (bzw. unterzeichnet) in einer Stellungnahme:

“Selbst wenn die Taten von einem geistig verwirrten ausgegangen sind, soll hier deutlich Stellung genommen werden. Christen sind als ‘Leute des Buches’ Muslimen nahe und keinesfalls als ‘Ungläubige’ abzuqualifizieren.”

Auch wenn untiges Zitat im heute nur eine journalistische Eingebung sein dürfte, scheint der Täter tatsächlich im Auftrag seines Gottes (Welcher eigentlich?) gehandelt zu haben. Das als Beleg für geistige Verwirrung zu nehmen, bleibt Fuat Sanac unbenommen, aber was meint er mit “als ‘Ungläubige’ abqualifizieren?

Vandalismus
Foto: Cover von “heute” (4.4.2014)

Offensichtlich ist “Ungläubigkeit” Grundlage genug, um als handfeste Abqualifizierung durchzugehen. So wie im Islam Frauen und Schwule auch durch Gedanken, Worte und Werke permanent abqualifiziert werden. Die katholische Kirche ist da übrigens nicht viel anders.
So weit so unspektakulär. Fuat Sanac lässt einfach nur Durchblicken, wes Geistes Kind er ist. Wir respektieren sein Recht, sich so zu äußern. Inhaltlich ist dieser Respekt verzichtbar.
Fall 2)
Die Glaubensbrüder von Fuat Sanac in Saudi Arabien haben Ungläubigen gegenüber einen ganz anderen Gestaltungsspielraum. Dort gelten seit letzter Woche Atheisten und Agnostiker de facto als Terroristen und damit dürfen sie sich auf die Todesstrafe einstellen.
Aus der HuffPost:

“(Terroristischen) Organisationen, Gruppierungen, (Gedanken-)Strömungen, Verbänden oder Parteien hilft, eine Zugehörigkeit zu einer solchen demonstriert, damit sympathisiert, sie fördert oder an Treffen einer solchen teilnimmt – sei es innerhalb oder außerhalb des Königreichs. Dies schließt auch die Verbreitung von Inhalten, Slogans, Symbolen, Botschaften der genannten Gruppierungen über Audio-, visuelle, Print- und sämtliche soziale Medien ein.”

Die Zahl der islamischen (und es sind nur solche) Länder, wo auf Atheismus Todesstrafe steht, ist letztes Jahr auf 13 gewachsen:

“Afghanistan, Iran, Malaysia, Maldives, Mauritania, Nigeria, Pakistan, Qatar, Saudi Arabia, Somalia, Sudan, United Arab Emirates and Yemen.”

Es handelt sich hier auch nicht um totes Recht, sondern um eine Grundlage auf deren Basis auch vollzogen wird. Wie diese Exekutionen von statten gehen, hat der durch seit seinen mehrjährigen Aufenthalt in Saudi Arabien damit konfrontierte Abgeordnete z. NR Christoph Vavrik am 26.3. im Parlament anschaulich geschildert. Leider ist seine ausgezeichnete Rede in der ORF TV-Thek nicht mehr online.
Der Islam ist eine Religion, die das fundamentalste Menschenrecht auf Leben nicht akzeptiert und das nicht nur als Form der Bestrafung bei Kapitalverbrechen, sondern einfach nur, weil man Agnostiker oder Atheist ist.
Sebastian Kurz denkt gerade darüber nach, das Islamgesetz zu modernisieren. Die Diskussion darüber darf diesen schwergewichtigen Kritikpunkt nicht übergehen.

5 Comments

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Michael Eisenrieglerreply
April 5, 2014 at 11:50 pm

Der Koran unterscheidet recht streng zwischen den Anhängern des Propheten, Gläubigen der “Buchreligionen” (= Christen und Juden) und allen anderen, wobei “Götzendiener” (wie etwa Buddhisten) und “Ungläubige” auf der untersten Stufe stehen. Als Anhänger einer Buchreligion ist man in Teilbereichen zwar geschützt, aber trotzdem Person zweiter Klasse, auch was Vertragsrecht, Steuerrecht, etc. betrifft. Als “Götzendiener” oder “Ungläubiger” ist man de facto vogelfrei.
Trotzdem bin ich dagegen, die Exegese heiliger Bücher als Basis für die Beurteilung von Religionen zu nehmen, denn Papier ist geduldig und es zählt immer noch die gesellschaftliche Praxis – und die ist in vielen Ländern schlimm genug, wie Du am Beispiel der Todesstrafe oben angeführt hast.
Die Glaubenspraxis von Religionen kann sich aber auch ändern, deshalb sollte im Umgang mit “dem” Islam vor allem der Dialog mit Leuten gesucht werden, die an dieser Änderung und Modernisierung arbeiten. In Österreich wäre das zum Beispiel die “Initiative Liberaler Muslime”. Auf der anderen Seite sind Institutionen wie das “König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog” mehr als lächerlich und in diesem Kontext auch kontraproduktiv. Die Teilnahme Österreichs daran sollte schleunigst beendet werden.

Joseph Denglerreply
April 6, 2014 at 9:23 am

Danke, Niko Alm. Zu erwähnen ist auch, dass man aus dem Islam nicht “austreten” kann. Wer dies tut, ist noch schlimmer dran als Atheisten. Dennoch: Michael Eisenriegler hat Recht. Auch Atheisten müssen den kulturellen Dialog mit Muslimen suchen, um jene zu stärken, die innerhalb ihres Glaubens modern leben. Ich persönlich kenne NUR solche … allerdings verbrachte ich 2 Jahre in Tunesien, nicht in Saudi Arabien.
Viel, viel Aufklärung, Dialog und Diskussion tut not.

nikoalmreply
April 6, 2014 at 9:36 am

Michael, Joseph,
danke für euer Feedback und die Ergänzungen. Der Disclaimer sollte klar machen, wie es und wer gemeint ist. Natürlich könnte ich auch ausufernde Rechtfertigungen anbringen, aber ich halte die Verknappung zulässig. Gerade die Initiative Liberaler Muslime wird mit meiner Kritik – vermute ich – kein Problem haben. Die formulieren üblicherweise wesentlich schärfer und sind auch nicht beleidigt, weil sie sich zurecht nicht angesprochen fühlen. Mit dialogfähigen Menschen ist der Dialog auch gar kein Problem. Das gilt aus eigener Erfahrung für dir katholische Kirche ebenso wie für Muslime.

Kontrastmittelreply
April 6, 2014 at 10:12 am

Die Modernisierung sollte alle Religionsgesetze erfassen und Mindeststandards einführen.
Auch wenn es etwas weit hergeholt ist der IGGIÖ zu unterstellen, das Menschenrecht auf Leben nicht zu unterstützen, so zeigt die Wortwahl des Präsidenten die Selbstverständlichkeit mit der Angehöriger keiner oder einer anderen Religion diskreditiert und diskriminiert werden.
Ein wichtiger Mindeststandard für alle Religionsgemeinschaften wäre das Ende der Diskriminierung anders- oder nicht-Gläubiger. Insbesondere was die Gründung familiärer Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppen anbelangt. Hier stellen sich fast alle Religionsgemeinschaften vehement gegen das Menschenrecht den Ehepartner frei auszuwählen.

metepsilonemareply
April 12, 2014 at 12:35 pm

Bassam Tibi hat mit seinem Konzept des Euro-Islam eigentlich alles
Notwendige gesagt: Der Verzicht auf Scharia und Dschihad, die Trennung
von Religion und Staat, die Achtung der Rechte Andersgläubiger, usf.,
ermöglichen eine Integration von Muslimen und Islam in Europa; durch die
Akzeptanz von Moderne und Aufklärung, erübrigt sich auch eine
Diskussion über gesellschaftliche Praxis und die Exegese heiliger
Bücher, da diese einen historisch-kritischen Zugang einschließen.
Die
Diskussion ist schon relativ alt und wenn jetzt über ein Islamgesetz,
neu oder modernisiert, nach gedacht wird, zeigt das wie viel, wohl auf
beiden Seiten, versäumt wurde.
Fuat Sanac qualifiziert keineswegs
nur die Ungläubigen ab, sondern teilt dem Koran folgend, auch die
Gläubigen ein (Zugehörigkeit entscheidet über den Status).
Wenn
Verhetzung ein Straftatbestand ist, warum sollte es nicht die
Herabwürdigung von Bräuchen, Lehren, o.ä. sein, die über ein tolerables
Maß — etwa einen polemischen Text — hinausgeht? Ideelle und materielle
Werte und Bedeutungen fallen häufig nicht in eins und man wird hier
Minderheiten und Mehrheiten gerechter Weise dieselben Rechte einräumen.
Es ist ja nicht die Religion, die verletzt wird, oder die eigentliche
Begründung, sondern der Schutz von Menschen, gegen die sich Angriffe
richten (jedenfalls würde ich das so lesen).

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