Newsletter Nr. 34 – Empfehlungen #3

Im Ausnahmezustand der Corona-Krisen ist für mich nicht nur die Arbeit mehr geworden, auch die gelaufenen Kilometer und die gelesenen Seiten haben zugenommen – ich selbst seidank nicht.
Hier ist wieder ein kleiner Auszug empfehlenswerter Lektüren.

William Gibson: “Agency”

Es gibt keinen Autor, den ich so komplett und jeweils zeitlich nahe an den Veröffentlichungen gelesen habe wie William Gibson. Gut, die Neuromancer-Trilogie habe ich altersbedingt erst ab 1989 nachgeholt, aber seither bin ich a jours.
Agency“, den Nachfolger von “The Peripheral“, habe ich schon im April beendet, aber es ist gut, dass die Rezension gedanklich etwas abgelegen ist und ich zwischenzeitlich (endlich) mit Nick Bostrom (Superintelligence, Die Zukunft der Menschheit) und Max Tegmark (Life 3.0) den Diskursstand zu Posthumanität und Artificial Intelligence aufgefrischt habe. Im Mittelpunkt von “Agency” steht nämlich genau das: das (erstmalige) Auftreten einer posthumanen und künstlichen Intelligenz.

Gibson war mit seiner Fähigkeit, Entwicklungen intuitiv und ohne besondere Kenntnis von Technologie vorwegzunehmen, immer weit vor einer spekulativen oder tatsächlichen Realität. Auch “The Peripheral” war in dieser Hinsicht noch herausragend und visionär. Bei “Agency” kapitalisiert er seine Ideen in einem fast schon zu leicht verständlichen Plot. So einfach war Gibson noch nie zu lesen. Seine Modellierung der künstlichen Intelligenz “Eunice” und ihrer Emergenz folgt einer, von mehreren diskutierten Möglichkeiten, die mittlerweile Teil des akademischen Mainstreams (für Nerds, also eher Nerdstream) sind. Gibson ist noch immer weit vorne, aber die Gegenwart hat aufgeholt.
Link: Gibson, William: Agency (Berkley)
 

Jim Bob Morrison: “A Godawful Small Affair”

Die Texte von Carter USM zählen zu den wortwitzigsten, die man in der Musikgeschichte findet. Wenn der Sängersongschreiber Jim Bob Morrisson dann nach seiner Bandkarriere (Carter USM) neben seiner Solokarriere (Jim Bob) auch noch beginnt Romane zu schreiben, dann löst er damit naturgemäß eine gewisse Erwartungshaltung aus. Diese wird auch mit dem aktuellen Buch nicht enttäuscht.
A Godwaful Small Affair” ist eine tragisch-komischer Geschichte aus der Sicht eines 10-jährigen Buben und David-Bowie-Fans mit Raumfahrtobsession, dessen Schwester (Where is Zoe Love?) eines Nachts verschwindet.

Link: Morrison, Jim Bob: A Godawful Small Affair (Cherry Red Records)
Sein neues Album “Pop Up Jim Bob” erscheint am 14. August.
 

Und noch ein paar Bücher aus dem Ausnahmezustand

Zu Slavoj Žižeks Corona-Essay “Pandemic!” (OR) habe ich schon einen Newsletter geschrieben. Eine Rezension zu “Liebesgrüße aus Nordkorea” (Suhrkamp) von Morten Traavik folgt in Kürze.
Empfehlenswert für vehemente Religionskritiker, um ihr Argumentarium auszubauen: “Blut-Religionen” von Rüdiger Opelt.
Und wer sich ein bisschen mit Gegenwart und immanenter Zukunft der Netzgesellschaft oder gleich mit dem Weg in die Posthumanität beschäftigen will, sollte sich das besorgen:

 

Corona – Chronologie einer Entgleisung

 
Die Frage der politischen Verantwortung in den Corona-Krisen beschäftigt mich schon seit der ersten Pressekonferenz Anfang März. Ich selbst halte ja die schwarzgrüne Regierung für schlecht vorbereitet, feig und führungsschwach, was ich auch in einem Gastkommentar für den Standard festgehalten habe.
Wie substantiiert meine Behauptungen sind, kann in Kürze auch in “Corona – Chronologie einer Entgleisung” nachgelesen werden. Ein ganzes Autorenteam bei Addendum widmete sich der Frage der politischen Verantwortung und zeichnete den politischen Verlauf der Pandemie nach vorliegendem Erkenntnisstand nach.

Ich selbst habe an dem Buch inhaltlich nicht mitgearbeitet. In meiner Rolle als Verlagsleiter kümmere ich mich aber darum, dass es gedruckt und vertrieben wird.
Link: Fleischhacker, Michael (Hg.): Corona – Chronologie einer Entgleisung (Edition QVV)
 

Craft Bier Fest – Crowdfunding

Ein paar Wochen läuft das Crowdfunding für das Craft Bier Fest noch. Wir sind ganz gut unterwegs, die notwendigen 30.000 Euro zu erreichen.
Aber jedes kleine Darlehen zählt und wir freuen uns über jegliche Unterstützung. Es ist ja auch nicht umsonst. Eigentlich sogar ein ganz guter Deal:

Hier kannst du uns ein Darlehen geben. Bitte.
 
Amenlos
Alm

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