Newsletter Nr. 29 – Corona urbis orbisque

Man kann ja Religion für viel Unsinn und Übel verantwortlich machen, aber für das Coronavirus kann nicht einmal der wichtigste Vertreter eines Gottes auf der Erde, der Papst, etwas. Da sitzt er gottverlassen und alleine am Petersplatz und spendet der Stadt und der ganzen Welt seinen Segen. Alleine es hört niemand zu. Aus Sicherheitsgründen. Und er weiß naturgemäß auch, dass die Ausschaltung physischer Nähe deutlich sinnvoller ist, um COVID-19 zu vermeiden, als es weg zu beten, wobei wir uns sicher sein können, dass post Corona, den Gebeten natürlich Erhörung zugeschrieben werden wird.
Bei anderen christlichen Denominationen sieht man das mit dem Abstandhalten und der Wirkmacht von Gebeten ja anders. In Florida zählen dank Governor Ron DeSantis Gottesdienste außerdem zur krisennotwendigen Grundversorgungund finden weiter statt. Aber religiöse Ignoranz gegenüber ganz natürlicher Infektiosität ist bei Gott nicht auf das Christentum beschränkt.
An dieser Stelle noch ein paar unschöne Beispiele, mit denen mich Oliver Reichenstein (praktisch im Alleingang. Danke dafür!) in den letzten Tagen versorgt hat:

Texte zur Coronakrise

Bislang habe ich mich mit Texten zur Coronakrise eher zurückgehalten, aber ich fürchte, es wird demnächst mehr werden. Hier sind die ersten beiden, die ich für Addendum geschrieben habe.


 

Karfreitag – Große Party!

Demnächst gibt es wieder einen Karfreitag. Das damit einhergehende Veranstaltungsverbot, wie zum Beispiel im Freistaat Kärnten (Siehe dazu: Karfreitag! Der Kärntner Feiertag für Kirche, Glücksspiel und Prostitution), ist da eine ganz praktische Sache, weil man sich – außer bei illegalen Coronapartys – kaum anstecken kann.
Die Regierung dehnte jetzt das österliche Veranstaltungsverbot weit über den Karfreitag und in den Privatbereich aus. Treffen in Familie oder Freundeskreis über die haushaltsübliche Zahl von fünf hinaus sind verboten. Diese geplanten oder per Erlass, Verordnung, Gesetz usw. usf. durchgesetzten Eingriffe in die Privatsphäre haben damit jedenfalls den Punkt überschritten, der noch toleriert werden kann.
Dass sich Menschen in privaten Wohnungen in egal welcher Zahl aus welchem Grund auch immer nicht mehr treffen dürfen, ist indiskutabel. Nicht aus praktischen, sondern aus prinzipiellen Gründen. Dabei ist es irrelevant, ob das im derzeitigen Ausnahmealltag sinnvoll ist oder nicht. Die Freiwilligkeit mündiger Bürgerinnen und Bürger wird noch bevor sie Gelegenheit dazu hatten, ausgeschaltet. Es wird verordnet und auch gestraft.
Schlimmer noch: Die Maßnahme erfolgt präventiv, weil der Ostern feiernden, christlichen Mehrheit der Bevölkerung ganz offensichtlich nicht zugetraut wird, dass sie die Maßnahmen, die sie so brav drei Wochen durchgehalten haben, über die Feiertage einfach aussetzen. Niemand braucht diese Bevormundung. Wir haben auch ohne Zwangsmaßnahmen fast alle verstanden, was jetzt geboten ist.
Und offensichtlich soll die verpflichtende Installation von Überwachungssoftware auf Telefonen erfolgen.
Enough Is Enough.
Für alle, die doch feiern wollen, gibt es am Freitag eine große Cyber-Karfreitag Co-Praty für 50.000 Personen.
 

Die Pastakrone

Teil 1 – Die Pastakrone
Teil 2 – Der Personalausweis
Teil 3 kommt demnächst.
Ich darf aber als Vorblende auf einen zukünftigen Teil schon spoilern, dass vor wenigen Tagen, am 2. April 2020, eine Beschwerde beim VfGH in diesem Fall eingebracht wurde.
 
Amenlos
Alm

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