Newsletter Nr. 27 – Empfehlungen #2 (Richard Dawkins, John Gray, Alois Schöpf)

Es haben sich ein paar einschlägige Lektüre-Tipps gestapelt, die jetzt von eben diesem Stapel gelassen werden. Wer auf den zweiten Teil von “Pastakrone” gewartet hat, muss sich noch etwas gedulden.

Richard Dawkins: “Outgrowing God”

Der britische Evolutionsbiologe und wahrscheinlich immer noch bekannteste Vertreter der Neuen Atheisten hat im September ein neues Buch mit dem Titel “Outgrowing God – A Beginner’s Guide” veröffentlicht. Ich muss gestehen, dass ich den Untertitel gleich einmal übersehen habe. Ein verhängnisvolles Versäumnis, das mir bei der deutschen Version “Atheismus für Anfänger: Warum wir Gott für ein sinnerfülltes Leben nicht brauchen” nicht passiert wäre.
Dawkins hat ein Buch für Einsteiger in die Welt der Ungläubigkeit geschrieben und arbeitet sich dabei in der negativen Abgrenzung gewohnter Art und Weise am Christentum ab. Belege für die Überflüssigkeit übernatürlicher Intervention schöpft er aus seinem reichhaltigen Erklärungsschatz als Evolutionsbiologe. Wer neben “The God Delusion” zumindest schon ein weiteres Buch von Richard Dawkins gelesen hat, wird aus “Outgrowing God” naturgemäß nicht besonders viel Neues lernen. Mich überraschte diese leicht verständliche Zusammenfassung seiner Argumentationslinie in ihrem persönlich fehlenden Neuigkeitswert nur bis zu dem Punkt als den Zusatz “A Beginner’s Guide” realisierte. Aber dann war klar, dass dieses Buch ein ausgezeichentes Geschenk abgeben würde.

John Gray: “Seven Types of Atheism”

Politik der Apokalypse. Wie Religion die Welt in die Krise stürzt” von John Gray war für mein Buch “Ohne Bekenntnis” eine wichtige Quelle und Ausgangspunkt für weitere Argumente und Belege für die Verquickung von Christentums mit der Spielart US-republikanischer Endzeit-Politik von Reagan und Bush. Doch auch schon in diesem Buch wirkte Gray bei aller Kritik an fundamentalistischer Religion und ihrem politischen Einfluss wie ein Apologet des Übernatürlichen. Der Eindruck verstärkte sich beim mir mit seinem April 2018 erschienen Buch “Seven Types of Atheism“.
Seine Einteilung in diese sieben Typen folgt keiner Systematik, die ich – und ich vermute auch sonst niemand außer ihm selbst – teilen könnte. Sie folgt einem Spektrum vom bösen bis zum guten Atheismus. Naturgemäß startet er im Kapitel 1 mit den Neuen Atheisten und ich werde gleich zu Beginn des Buches den Eindruck nicht los, er hätte es nur geschrieben, um Watschen an Richard Dawkins und Sam Harris austeilen zu können. Er baut die übliche Strohmannargumentation auf, die Neuen Atheisten argumentierten nur gegen den biblischen, personalisierten Gott, der von der Menschheit ohnehin längst überwunden ist. Außerdem würden sie als neuen Gott die Wissenschaft anbeten (Kapitel: “A Strange Faith in Science”). Und alles was sich Humanismus nennt, sei ohnehin nur Religion in säkularer Tarnung. Damit liegt er in jeder Hinsicht falsch. Er bastelt in weiterer Folge an einem Religionsbegriff, der mit seinem eigenen verqueren Atheismus kompatibel wird und driftet im Verlauf des Buches von klar benennbaren Aussagen und Klassifikationen über und von Atheismus, die man sich bei diesem Titel wirklich erwarten muss, ab zu Geschichten über Marquis de Sade, George Santanya, Spinoza, Dostojewski und Schopenhauer. Alles nicht uninteressant, aber auch nicht viel mehr als eine Auseinandersetzung mit Grays höchstpersönlicher Leseliste.

Alois Schöpf: “Kultiviert Sterben”

2015, als ich selbst noch Abgeordneter war, hatte mir (und allen anderen Abgeordneten) Alois Schöpf sein Essay in Buchform “Kultiviert Sterben” ins Parlament geschickt. Grundsätzlich am Thema interessiert, aber politisch nicht motiviert, weil Kollege Gerald Loacker sich bei uns im NEOS-Parlamentsklub um die Sterbehilfe kümmerte, legte ich das Buch zunächst einmal auf den hohen Stapel bald zu lesender Bücher, um es erst 2020 aus seiner Schutzfolie zu befreien. Und ja, es war ein Fehler, das nicht gleich gemacht zu haben.
Der Tiroler Publizist schreibt ein launig-angriffiges Plädoyer für den gepflegten Selbstmord ohne Patzerei und Blutgespritze, und beleuchtet die Diskussion rund um professionelle Sterbehilfe im politischen Kontext. Er berichtet wortgewandt und in langen ansehnlich formulierten und bisweilen sehr kompliziert gefügten Sätzen von kirchlichem Widerstand und dem Eiertanz in der öffentlichen Debatte. Ich bin zwar noch nicht am Ende (des Buches) angelangt, erlaube mir aber, es schon jetzt zu empfehlen. Alois Schöpf soll ja nicht noch weiter fünf Jahre auf mein Endorsement warten müssen.

Podcast: Mit Milch und Zucker

Noch nicht ganz erholt vom Jahreswechsel wurde ich am ersten Tag im Büro (3. Jänner) gleich für den Podcast “Mit Milch und Zucker” interviewt.

Brenda und Christina haben mich weit mehr als eine Stunde befragt, verhört und herausgefordert. Wie immer bei solchen Gelegenheiten durfte ich wieder einiges über mich selbst lernen.

Termin: Helmut Ortner am 3. März in Wien

Wochenlang versuchte ich mit dem Autor und Herausgeber von “EXIT – Warum wir weniger Religion brauchen” (An dieser Stelle habe ich es bereits vorgestellt.) einen Termin für eine Lesung und Diskussion in Österreich zu organisieren. Es ist nun geglückt.
Helmut Ortner kommt am 3. März auf Einladung des HVÖ und der Konfessionsfreien nach Wien. Er wird sein Buch “EXIT” vorstellen und im Anschluss mit mir das Verhältnis zwischen Religion und Republik in Deutschland und Österreich beleuchten.
Die Veranstaltung findet in der “Halle” des Wiener Büros von VICE statt. Danke an Markus Lust, der das ermöglicht hat.

  • 3. März 2020
  • Einlass: 18.30
  • Beginn 19.00
  • Ort: VICE, Lothringerstraße 2/2, 1040 Wien

RSVP via Facebook

Reduktion der Tamponsteuer: “Ohne Bekenntnis” jetzt günstiger

Die Steuersenkung auf O.B. ist eine großartige Sache! Das ermöglicht mir, mein Buch “Ohne Bekenntnis” günstiger anzubieten. Nicht nur, weil der Titel dafür steht, sondern weil ja auch ein kardinales O. B. (Illustration: Isabella-Anja Khom) die Binde um das Buch ziert.
Da ich der Buchpreisbindung nicht entgehen kann, bleibt der Preis zwar bei 22€, aber dazu gibt’s einen ökofairen Jutesack gratis. Bestellung einfach per E-Mail.

PS: Mittlerweile hat mich die traurige Nachricht erreicht, dass die Preise für Tampons mittlerweile gestiegen sind. Ich werde den Preis für mein O. B. weiterhin niedrig halten. Least I can do.
 
Amenlos
Alm

3 Comments

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January 26, 2020 at 11:51 am

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January 29, 2020 at 11:48 am

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February 16, 2020 at 12:01 am

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